Einleitung

Ich hatte ein paar Tage das Vergnügen das Sigma 70-200 f2.8 aus der Sports Serie auszuprobieren. Da es sportliche Veranstaltungen jedoch momentan eher Selten gibt, haben Möwen am Innufer als Motive herhalten müssen. Diese flinken Vögel werden dort von Touristen gefüttert, und so fliegen sie oft scharenweise an einem vorbei. Hierbei wird vor allem der Autofokus auf eine harte Probe gestellt – dazu später mehr.

Wie Sportlich ist das “Sports”?

Von selbst bewegt sich das Sports nicht vom Fleck. Das Gewicht der Verbindung eines Metallgehäuses kombiniert mit haufenweise Glaselementen von 1805g muss der Fotograf ganz alleine tragen. Dabei ist das Eigengewicht der Kamera auch noch nicht mit eingerechnet. Somit bringt das Sigma ca. 300-400g mehr auf die Waage als vergleichbare Konkurrenz – Ein wahres Schwergewicht unter den schnellen Telezooms.

Bedienung

Ringe

Mehr Kraft als gewohnt habe ich auch beim Zoom und Fokusring benötigt. Wahrscheinlich liegt dies an den Dichtungen, da das Objektiv sowohl Staub- als auch Spritzwassergeschützt ist. Infolge dessen habe ich beide Ringe als eher schwehrgängig empfunden, worunter die Präzision etwas leidet. Im Falle des Fokus hat man jedoch trotzdem weniger Probleme manuell scharf zu stellen, da der Ring angenehm griffig gummiert ist und der Fokusweg relativ lang ausgelegt ist.
Die Erfahrung zeigt, das die Einstellringe an Objektiven im Laufe der Nutzungszeit leichtgängiger werden. Dieses “Problem” kann sich also vielleicht von selbst lösen.

Schalter/Knöpfe

Zwischen Zoom- und Fokusring befinden sich drei Knöpfe, die den Autofokus stoppen. Diese waren in jeder Objektivhaltung für mich gut erreichbar.
Weiterhin befinden sich 4 Schalter am Objektiv. Der erste Schalter ist ein AF-MF-MO Schalter, der zwischen Autofokus, Manuellem Fokus und “manual override” (Dreht man am Fokusring während der Autofokus aktiv ist, wird der AF unterbrochen und ein manueller Fokus ist möglich) umschaltet. Der zweite Schalter ist ein Fokusweg-Begrenzer mit den Einstellungen Full (1,2m-∞) und 3m-∞. Der dritte Schalter ist für den Bildstabilisator verantwortlich und lässt sich neben an und aus auch auf Mitzieher einstellen. Der vierte Schalter ist für die Personalisierung des Objektivs zuständig und schaltet zwischen Normalbetrieb, C1 und C2 um. Wenn man das Sigma USB Dock besitzt, kann man in diesen Modi beispielsweise das AF-Verhalten, den Fokusbereich oder das Verhalten des Bildstabilisators auf die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Stativschelle

Die Stativschelle ist ein weiteres Highlight des Objektivs. Sie ist massiv verarbeitet, besitzt ein eingebautes Arca-Swiss Profil und ist dadurch mit vielen Stativköpfen kompatibel, ohne eine Schnellwechselplatte zu benötigen. Außerdem rastet die Schelle alle 90° ein um ein schnelles Wechseln vom Quer- zum Hochformat zu ermöglichen.

Autofokus

Sigma hat dem 70-200 f2.8 Sports einen HSM Autofokus verpasst. Dieser ist schon Bauart bedingt geräuscharm, schnell und treffsicher im Vergleich zu einfacheren Systemen. Beim Test in Verbindung mit der 5D mkIV im Sucherbetrieb ist mir jedoch ein leichter Backfokus aufgefallen. Im Liveview betrieb jedoch, konnte ich über den Dual Pixel AF problemlos perfekt scharf stellen. Nach einer kurzen Korrektur im Menü der Kamera war ich jedoch auch im Sucherbetrieb schon sehr nah am punktgenauen Fokus dran. Ich nehme an, dass man diesen Fehlfokus mit mehr Zeit auch komplett rauskorrigieren kann. Zur Not auch mit Hilfe des USB Docks. Dies ist allerdings aufwändiger.
Sonst war der Fokus auch bei der Nachverfolgung von Motiven gut dabei. Einzig bei der Königsdisziplin (Motiv kommt direkt auf die Kamera zu) war der Autofokus in den Standardeinstellungen leider leicht hinterher. Hier kann man jedoch mit Abblenden Abhilfe schaffen.

Falls euch interessiert, warum es im Sucherbetrieb bei einer DSLR zu Fehlfokusiereungen kommen kann, dann werde ich darüber auch mal einen Beitrag verfassen.

Portraittauglichkeit

Bild direkt aus der Kamera. Farbprofil Portrait

Hat man die Naheinstellgrenze von 1,2m Erreicht, bekommt man bei 200mm Brennweite gerade so den Mund und die Augenbrauen gemeinsam auf das Bild. Da man dem Model gegenüber aber meist nicht so nah auf die Pelle rücken will, hat man in Sachen Abbildungsmaßstab viel kreativen Spielraum.
Bei normalen nahen Aufnahmen löst die Offenblende von f2.8 den Hintergrund in eine traumhafte Unschärfe auf. Das Objektiv kann einen besonderen Look erzeugen, den ich so bis jetzt selten gesehen habe.
Auch beim Abblenden kann das Sigma mit 11 Blendenlamellen überzeugen.

Vignettierung/Verzeichnung/Chromatische Aberrationen

Hier Sprechen die Bilder für sich. Bei Offenblende und 200mm Vignettiert das Objektiv ziemlich stark. Erst bei Blende 8 Ist die Vignettierung nahezu verschwunden. Bei 70mm tritt dieser Effekt auch merkbar, jedoch nicht so stark auf.

Die Verzeichnung ist, meiner Meinung nach, vernachlässigbar klein. Am kurzen Ende leicht Tonnenförmig, und am langen Ende leicht Kissenförmig.

Leichte Grün- und Magenta- farbene Chromatische Aberrationen treten an starken Kontrastkanten bei allen Brennweiten nur am Rand auf und sind in Lightroom mit einem Tastendruck entfernbar.

Schärfe

Nun schauen wir mal, was die besagten Haufen Glaselemente in Sachen Auflösung bringen. Insgesamt sind es 24 Linsen, von denen 10 als dispersionsarme Elemente ausgeführt sind. Dies ist eine Beeindruckend hohe Zahl und liest sich schön auf dem Papier. Doch was Bedeutet dies in der Praxis?

Bei 70mm, Blende 2.8

Bei 200mm f2.8

Mit einem Wort: WOW!
Der 30mp Sensor der 5D mkIV wird schon bei Offenblende in allen von mir getesteten Brennweiten vom Zentrum bis zum Rand mit einer überzeugenden Auflösung befeuert. Abblenden des Objektivs ist meiner Meinung nach zum Schärfegewinn nicht nötig, bringt jedoch in den Randbereichen nochmal eine leichte Auflösungssteigerung.

Pro/Contra

+Arca Swiss Mount in der Stativschelle integriert
+Fokus stop Tasten am Objektiv
+Enormes Auflösungsvermögen schon ab Offenblende
+Harmonischer Look bei Portraits
+Traum Bokeh
+Wenig Verzeichnung
+Wenig Chromatische Aberrationen
+3 Jahre Garantie bei Registrierung

-Schwerstes seiner Klasse
-Schwer gängige Einstellringe
-Autofokus braucht fein tuning
-Vignettierung bei Offenblende

 

Links

Hier geht`s zum Objektiv im Photo Lang Onlineshop.