Das Cyanotypie Verfahren + Moersch Kit

Vor Kurzem kam schon mal ein Post über den Hersteller Moersch online.

Moersch nutzt alternative Chemikalien für die Fotoentwicklung, welche weniger unverträglich für die Natur sind als andere. Wolfgang Moersch ist der Innhaber des renommierten Fotolabors für Schwarzweiß sowie Positivmaterialien in Fürth. Zu seinen Fachgebieten gehören die Fotografie sowie Fotoentwicklung und Druck.

Wir freuen uns, nun auch das Moersch Cyanotype Kit in unserem Sortiment begrüßen zu dürfen.

Cyanotypie

Das Cyantypie-Verfahren wurde im Jahre 1842 von dem Astronomen Sir John Herschel entwickelt. Es ist das dritte Verfahren für die Herstellung von stabilen Bildern. Die Vorgängerverfahren waren die Daguerreotypie und die Talbotypie.

Es ist eines der ältesten und einfachsten fotografischen Kopieverfahren. Hierbei kommt es ohne Dunkelkammer und technische Geräte aus. Das Verfahren beruht auf Eisen und nicht, wie bei der herkömmlichen Entwicklung, auf Silber.

Bekannt wurde das Verfahren übrigens durch die britische Naturwissenschaftlerin Anna Atkins. Sie dokumentierte Pflanzen wie Farne mittels Cyantypien in ihren Büchern.

Besonderheiten

Cyanotypie ist günstiger als andere Verfahren. Außerdem ist es einfach in der Handhabung und nicht giftig. Es ist natürlich trotzdem Vorsicht beim Umgang mit Chemikalien zu bewahren.

Die Fotoschicht wird auf beliebigen Oberflächen selbst erzeugt. Das Trägermaterial (üblicherweise Aquarellpapier) muss jedoch in der Lage sein, die aufgebrachte Lösung zu binden.

Cyannotypie ist ein Kontaktverfahren, das heißt, euer fertiges Bild wird so groß sein, wie das Ausgangsnegativ. Deswegen eignen sich hierfür am Besten Negative im Großformat, wenn möglich 8″x10″. Doch keine Angst, ihr könnt das Cyanotypie Verfahren auch ohne teure Großformatkamera anwenden.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um ein großes Negativ zu erlangen. Die Vergrößerung von einem kleinen Negativen ist etwas tricky und eignet sich eher für Fortgeschrittene. Doch wir erklären euch eine einfache und erschwingliche Methode für jedermann: Hierzu benötigt ihr ein digitales Positiv und ein passendes Bearbeitungsprogramm am PC. Kehrt das Bild mit diesem um und druckt es anschließend mit einem Tintenstrahldrucker auf eine durchsichtige Folie. Und schon ist euer Negativ fertig. Es reicht übrigens ein Schwarzweiß-Druck.

Alternativ könnt ihr auch direkt Gegenstände auf das Trägermaterial legen, und diese belichten. So dokumentierte Anna Aktins die verschiedenen Pflanzen in ihren Büchern.

Die Ergebnisse der Cyanotypie haben einen Blaustich. Das ist auch der Grund, warum sich das Verfahren lange nicht durchsetzte. Denn viele finden den Blaustich zu unnatürlich und kalt. Doch meiner Meinung nach verleiht gerade das den Bildern einen gewissen Charme und Einzigartigkeit. Dieser künstlich hergestellte Blauton heißt im übrigen Preußischblau, da er der Farbe der preußischen Uniformen ähnelt.

Der Vorgang

Das Trägermaterial  wird mit der Cyanotypie-Lösung, bestehend aus Eisenammoniumzitrat und Blutlaugensalz, beschichtet. Der Fachbegriff für Blutlaugensalz ist Kaliumhexacynaoferrat. Hiervon leitet sich auch die Bezeichnung Cyanotypie ab. Nehmt zum Bestreichen am Besten einen Pinsel und achtet auf Gleichmäßigkeit. Das Material muss nun ein paar Stunden trocknen. Wenn ihr es über Nacht unberührt lasst, müsste es am nächsten Morgen fertig getrocknet sein. Um diesen Vorgang zu beschleunigen, könnt ihr auch einen Fön zur Hilfe nehmen. Vor dem nächsten Schritt muss das Trägermaterial auf jeden Fall vollkommen getrocknet sein.

Anschließend müsst ihr euer gedrucktes Negativ auflegen. Entweder klemmt ihr die beiden Elemente in einen Rahmen oder ihr legt eine Glasplatte über beide. Alternativ könnt ihr auch, wie oben erwähnt, ausgewählte Gegenstände auf das Papier legen.

Schließlich muss mit UV-Licht belichtet werden. Die Belichtungszeit bei Sonnenschein liegt etwa zwischen 20 und 60 Minuten. Bei künstlichem Licht (z.B. einem Gesichtsbräuner) dauert es nur etwa 5-20 Minuten. Die Eisensalze sind UV-Lichtempfindlich und durch die Belichtung verfärben sich die behandelten Stellen in einen grünlichen Ton. Die Schatten des Bildes haben bei korrekter Belichtung einen dunkleren Ton (blaugrau) als die Lichter (gelbgrau). Eine kleine Orientierung: Wenn die Papierränder, welche nicht vom Negativ bedeckt sind, grau werden, ist das Bild in der Regel richtig belichtet. Eine Überbelichtung ist hierbei weniger tragisch als eine Unterbelichtung. Denn ein leicht überbelichtetes Bild kann durch längeres Wässern noch gerettet werden.

Das anschließende Spülen mit dem Oxidationsbad und  kalten Wasser bricht den Belichtungsprozess ab. Durch Oxidation bekommt das Bild einen bläulichen Ton. Der Entwicklungsvorgang ist beendet, wenn keine blaue Farbe mehr wegfließt und der grün-/gelbliche Ton komplett aus dem Bild verschwunden ist. Trocknet das Material abschließend in der Sonne. Hierbei intensiviert sich das Blau nochmal.

 

Das Set

In dem Cyanotype Kit befindet sich eine Cyanotypie-Lösung (100 ml) , Salpetersäure (250 ml) und ein Oxidationsbad (100 ml). Cyanotypie ist bereits eine gebrauchsfertige Lösung nach der Rezeptur des Fotografen und Chemikers Mike Ware. Dieser setzt sich mit alternativen Entwicklungsprozessen auseinander. Auf seiner Webseite findet ihr diverse Anleitungen für verschiedene Prozesse.

Wofür ist nun aber die Salpetersäure in dem Set? Hiermit könnt ihr einen besseren Tonwertumfang mit stärkeren Schatten erreichen. Die Salpetersäure sollte stark mit Wasser verdünnt sein (etwa 1:100). In der Regel verarbeitet eine Lösung von einem Liter etwa zehn Bilder im Großformat.  Anschließend müsst ihr euer Bild etwa 20 Minuten vorsichtig mit fließendem Wasser waschen. Der gelbliche Ton der unbelichteten Stellen sollte hierbei völlig verschwinden. Auf dem letzten Foto in diesem Beitrag, könnt ihr euch ein Bild davon machen, wie euer Positiv nach der Behandlung mit Salpetersäure aussehen könnte.

Das Kit eignet sich übrigens bestens für ein Geschenk, weil es alles enthält, um sofort mit diesem spannenden Verfahren zu starten.

Wir hoffen, wir konnten euer Interesse für diese interessante Entwicklungstechnik erwecken und ihr legt gleich los.

Categories

Author

Janina

Date & Time

September 18, 2017