Makrofotografie für Anfänger

Bevor es richtig losgeht, muss ich euch etwas gestehen: Im Zuge dieses Beitrags habe ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Makroobjektiv in der Hand gehalten. Das hier ist ein Beitrag von Anfänger zu Anfänger. Ich will mich mit euch zusammen an dieses besondere Kapitel der Fotografie herantasten, meine Erfahrungen teilen und so Schritt für Schritt zu tollen Makroaufnahmen gelangen.

Was ist Makrofotografie

Makrofotografie arbeitet mit einem Abbildungsmaßstab 1:1 oder größer. Das heißt euer Motiv wird realitätsgetreu oder noch größer auf dem Sensor abgebildet. Makrobjektive sind auf kurze Distanzen optimiert, während übliche Objektive hier nicht mehr scharf stellen können. Das gibt euch die Chance, kleine und unauffällige Motive mal ganz groß darzustellen und ihnen ihre verdiente Aufmerksamkeit zu schenken.

Ich habe das schon in meinem Beitrag über Close Ups beschrieben: Bei Nahaufnahmen entwickelt man ein Auge für die besonderen Details seines Umfeldes. Es gibt so viele Dinge, die es verdient haben, abgelichtet zu werden. Und es ist unglaublich inspirierend, die Welt aus dieser Sicht zu betrachten

Die Makrofotografie schult das fotografisches Auge auch für andere Bereiche der Fotografie, denn das Spiel mit Licht und Formen sowie ein Blick fürs Detail spielen immer eine Rolle.

Die Ausstattung:

Für den realitätsgetreuen Abbildungsmaßstab gibt es passende Makroobjektive.

Eine günstigere Alternative ist eine Nahlinse, welche einfach auf das Objektiv geschraubt werden kann.
Viele Objektive haben außerdem ein Makro-Modi, mit welcher ihr relativ nah an eure Objekte rangehen könnt.
Mit diesen Alternativen werdet ihr zwar keine qualitativ hochwertigen Fotos erreichen, doch für das Reinschnuppern sind sie durchaus geeignet. Ich werde mich in diesem Beitrag allerdings auf Makroobjektive beziehen.

Makroobjektive sind in der Regel sehr lichtstarke Festbrennweiten. Die üblichen Brennweiten eines Makroobjektives sind 50 mm, 100mm oder 180 mm.
Mit 50 mm könnt ihr noch gut aus freier Hand fotografieren, allerdings müsst ihr hierbei sehr nah an eure Motive heran, um auch wirklich eine Nahaufnahme zu erreichen. Wenn ihr Insekten fotografieren wollt, werden diese wahrscheinlich wegfliegen, bevor ihr nah genug am Geschehen dran seid. Dieses Problem habt ihr mit einer Brennweite von 180 mm nicht, allerdings solltet ihr bei dieser unbedingt zu einem Stativ greifen. Ich habe mit einem 100 mm Objektiv fotografiert.
Bei 100 mm Brennweite können Freihand noch tolle Aufnahmen entstehen. Der Vorteil hierbei ist, dass ihr flexibler als mit aufgestelltem Stativ seid, was besonders bei Lebewesen essenziell sein kann. Da die Schärfentiefe bei Makroaufnahmen aber sehr gering ist, seid ihr mit einem Stativ auf der sichereren Seite.
In der Makrofotografie werdet ihr oft auf Knien oder gar im Liegen fotografieren, um auf Augenhöhe mit Pflanzen und Insekten zu gelangen. Deswegen eignet sich das Manfrotto Pixi Stativ bestens für eure Nahaufnahmen. Das Pixi ist nicht nur klein und handlich, es ist auch extrem schnell und leicht aufgebaut. Ich hatte es übrigens auch bei meinen ersten Versuchen dabei.

Es gibt unglaublich viel Ausrüstung, welche ihr verwenden könnt. Anfangs solltet ihr euch allerdings auf das Wesentliche beschränkenn, damit ihr euch auf das Fotografieren konzentrieren könnt. Ich bin mit einer Spiegelreflexkamera, dem aufgeschraubten Makroobjektiv und dem Pixi-Staiv losgezogen. Die ersten Schritte in der Makrofotografie waren aufregend genug, da konnte ich nicht noch mehr Verwirrung durch zusätzliche Ausrüstung gebrauchen. Später ist es ratsam, euch mit weiterer Ausrüstung auseinander zu setzen, um wirklich extreme Makroaufnahmen zu erreichen.

Wo fotografiere ich?

Motive könnt ihr eigentlich überall finden, wo es Natur gibt. Einige Insektenarten werdet ihr sogar noch im Winter finden. Zieht doch einfach mal los– in euren Garten, in einen Wald oder den nächsten Park.  Zur Not bietet sich sogar eure Zimmerpflanze als Motiv an. Schöne Motive kann man wirklich überall finden, man muss nur genauer hinsehen. Und ja, auch Fliegen, Spinnen, Käfer oder kahle Zweige können spektakuläre  Motive sein– man muss sie nur im richtigen Winkel abbilden 😉.

Das Fotografieren:

Aktiviert am besten die Spiegelvorauslösung der Kamera, da das Hochklappen des Spiegels eure Kamera zum Vibrieren bringt und das für Unschärfe sorgen kann. Außerdem solltet ihr unbedingt im RAW-Format fotografieren, denn das gibt euch viel mehr Möglichkeiten in der Nachbearbeitung.

Greift außerdem zum manuellen Fokus, denn ich verspreche euch, der automatische will nicht so wir ihr. Zudem gibt euch der manuelle Fokus die Möglichkeit mit der Schärfe zu spielen. Um die richtige Fokussierung zu wählen kann euch der Live-View eures Bildschirms eine große Hilfe sein. Ich muss zugegeben, das Scharfstellen war gar nicht so leicht. Ich habe an einem relativ windigen Tag fotografiert und eine sich im Wind wiegende Blume macht es einem durchaus schwer, sie einzufrieren. Habt hierbei Geduld und lasst euch Zeit, irgendwann kommt ein windstiller Moment und ihr erwischt den richtigen Augenblick zum Auslösen.

Um Bewegungsunschärfe zu vermeiden, solltet ihr nicht länger als 1/125 Sekunde belichten. Falls eure Bilder so zu dunkel werden, überlichtet sie um bis zu eine Blendegröße. Es bietet sich sowieso an, ein wenig mit den Blendengrößen zu experimentieren, um unterschiedliche Schärfentiefen in eurem Bild zu erhalten. Ich habe meist sehr offenblendig fotografiert, damit der Hintergrund möglichst unscharf wird und mein Bild hell genug.
Falls ihr noch Probleme habt, die richtige Belichtung zu finden bietet sich der A/Av-Modus an. Hier variiert ihr nur die Blendengröße und die Kamera kümmert sich um die passende Verschlusszeit. Achtet nur wie gesagt darauf, dass die Verschlusszeit nicht zu lange wird. Euer ISO Wert sollte übrigens zwischen 100 und 200 liegen.

Die richtige Perspektive finden

Für die ersten Schritte solltet ihr euch zunächst eine Blume oder Ähnliches vornehmen, denn die läuft euch nicht weg oder fliegt davon. Ihr könnt also in aller Ruhe verschiedene Belichtungszeiten, Blendengrößen und Kompositionen probieren Und genau das empfehle ich euch auch. Ich stand vor jedem meiner Motive eine Weile und habe ein bisschen herumprobiert. Ein einzelnes Motiv kann so viele verschiedene Bilder ergeben und der erste Auslöser war nie der Zufriedenstellendste. Mit der Zeit werdet ihr ein Gefühl für die richtigen Einstellungen und Co entwickeln, Übung macht den Meister.

Eine Blume von oben abzulichten ist gewöhnlich und etwas langweilig. Ich habe es oben schon erwähnt: ihr solltet mit eurem Motiv auf Augenhöhe gehen, um möglichst viele Details von dem Geschehen aufzunehmen. Experimentiert hier einfach ein wenig rum. Nutzt auch das Sonnenlicht, um einzigartige Effekte in deinem Bild zu erreichen.

Und wie bekomme ich Instekten vor die Linse?

Hier erfordert es ein wenig mehr Geduld als bei reinen Pflanzenaufnahmen. Gerade wenn ihr an so einem kalten und windigen Tag wie ich fotografiert, ist es gar nicht so leicht, etwas Lebendes vor die Linse zu bekommen.

Dunkle Kleidung kann hierbei auf jeden Fall nicht schaden, denn wenn ihr im quietschpinken Pullover vor euren Motiven haltmacht, wirkt das nicht unbedingt beruhigend auf die Tiere. Schaltet auch auf jeden Fall den Blitz aus, denn dieser verschreckt die Tiere logischerweise.
Hektische Bewegungen solltet ihr natürlich auch vermeiden. Geht ganz ruhig und gemächlich auf das Insekt zu. Wenn ein Mensch sich ruhig verhält, gewöhnen sich Tier schnell an ihn und nehmen ihn nicht mehr als Bedrohung war. Ich war überrascht, wie nah mich die Tiere gelassen haben.

Bevor ihr euch um die richtige Komposition und Schärfeneinstellung kümmert, solltet ihr zunächst ein Testbild machen, damit ihr beim finalen Bild auch eine zufriedenstellende Belichtung habt. Und auch hier solltet ihr wie immer verschiedene Perspektiven ausprobieren.

Alternativ könnt ihr euch auch eine schöne Blüte suchen, im Vorhinein in Ruhe um die richtige Komposition kümmern und schließlich warten, bis sich ein Insekt niederlässt. Hierbei könnt ihr die Insekten auch mit ein wenig Zuckerwasser anlocken.

Es ist mir noch sehr schwer gefallen, gelungene Aufnahmen von Lebewesen zu knipsen. Da es kalt und windig war, musste ich wirklich sehr genau hinsehen, um überhaupt etwas Lebendiges zu finden. Viele Tiere waren außerdem einfach zu schnell und es ist mir nicht gelungen, sie scharf zu stellen. So ist der Tausendfüßler auf meinem Bild zum Beispiel nur zur Hälfte fokussiert, bevor er in der Erde verschwand.

Ich muss noch ein bisschen üben, um spektakuläre Insektenaufnahmen vorzeigen zu können. Doch ich hätte nicht gedacht, dass ich mal so viel Spaß daran habe werde, vor einer Mücke zu stehen und sie aus den verschiedensten Positionen abzulichten. Probiert das auf jeden Fall Mal aus.

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Erfolg bei euren ersten Schritten in der Makrofotografie. Ich würde mich freuen, eure Bilder auf Flickr bestaunen zu können. Hier gibt es noch weitere Fotografietipps.

 

 

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Author

Janina

Date & Time

Oktober 29, 2017