Sofortbild und Zauberei

(c) Sebastian Blöchl

Es erinnert schon etwas an Magie wenn das noch weiße Sofortbild die Kamera verlässt um nur kurze Zeit später den eingefangenen Moment erscheinen zu lassen. Magie die bei herkömmlichen Fotoplatten oder Rollfilm nur in Dunkelkammern während komplexen chemischen Prozessen vonstatten geht. Das galt damals als Polaroid mit ihrem Sofortbildsystem die Welt im Sturm eroberte und es gilt auch zu digitalen Zeiten. Das Einzige was sich geändert hat: Polaroid ist nicht mehr Marktführer. Nach der Insolvenz der Firma hat sich Fujifilm mit dem Instax-System durchgesetzt und dominiert heute den Markt. So habe ich mich kürzlich auch für meine erste Instax, eine mini 70, entschieden. Zeit für mich loszuziehen und auch endlich ein Stück weit Zauberer zu werden.

Von der Straße zum Goldenen Käfig

Meine Ausbeute vom Flohmarkt – Die Impulse und ein m42 Balgengerät

Auf dem Flohmarkt

Die Mini 70 ist nicht meine erste Sofortbildkamera, denn ich nenne auch eine Polaroid mein eigen. Das Schmuckstück habe ich letztes Jahr auf einem lokalen Flohmarkt entdeckt. Sie lag etwas versteckt zwischen Kerzenhaltern, alten Radios und anderen Dingen die man oft in den Dachböden oder Kellerlagern der Nation findet. Fast hätte ich sie übersehen. Ich gehe zum Stand um sie mir genauer anzusehen, tippe etwas darauf rum, schalte sie mal kurz ein und frage eher beiläufig nach der Funktion. Angeblich soll sie noch gehen – Die Batterie sei nur leer. Ich schaue etwas Skeptisch und frage nach dem Preis. “Ich hätte gerne 4€ dafür“. Meine Freude unterdrückend war mir die Funktion egal. Die musste ich haben.

Geht das Ding?

Das Modell heißt Impulse und sieht nicht nur schick aus, sondern funktioniert auch noch einwandfrei. Glück gehabt kann ich da nur sagen. Die Walzen laufen sauber und das Surren, als das Sofortbild die Kamera verlässt, ist genau wie damals als ich als Kind mal ein ähnliches Modell in Händen hielt. Nostalgie pur. Der einzige Wermutstropfen: der neue Impossible 600 Film ist mir als Student schlichtweg zu Teuer. So hat sich die Impulse kurze Zeit später einen kuschlig warmen Platz in meiner Sammlung neben anderen mir persönlich wertvollen Analogkameras gesucht und wagt sich nur ab und an zu besonderen Anlässen wieder in die kalte Welt hinaus.

Hallo Instax

Kameraaffäre

Da ist sie nun, die mini 70. Meine Neue. Gut das Kameras nicht neidisch werden können, sonst würde meine Impulse jetzt ein ernstes Wörtchen mit mir reden. Jung und Scharf sind die Eigenschaften, die Instax ausmachen. Modern sieht sie aus in ihrem Metallic Blau. Ein paar Knöpfe und ein kleines LC-Display auf der Rückseite laden zum experimentieren mit den verschiedenen Betriebsmodi ein.
Mein persönlicher Favorit ist der Makromodus. Die Naheinstellgrenze beträgt dann nur 30cm. Genau richtig um Kopfportraits zu machen – leider nicht geeignet für kleinere Details.

Ärger im Paradies

Beim durchschalten der Modi fällt mir auf das der Blitz nicht abschaltbar ist. So versucht die Kamera in Dämmerungssituationen alles Anzublitzen was sich vor ihre Blitzröhre wagt. Ob das nun ein nahes Objekt ist oder ein weit entferntes Schloss auf einem Berg. Das gelingt, wie man sich schon denken kann, ein Paar Meter vor der Kamera noch gut, nur der Berg zeigt sich unbeeindruckt und erscheint als Silhouette in der Dämmerung. Hier beginnt mein Krach mit der Instax. Zickig will sie mir vorschreiben, wie das Bild richtig belichtet ist. Außer einer high-key Einstellung und einem erzwungenen Blitz kann ich auf die Belichtung des Fotos keinen Einfluss nehmen. Ich fühle mich fast schon vom manuellen Modus meiner DSLR verwöhnt. So hilft mir hier oft nur eins: auf die Bildkomposition konzentrieren und die Kamera den Rest machen lassen. Die beste Belichtung hilft ja nichts, wenn der Bildinhalt belanglos ist.

Produktfotos mit der Instax

Totschlagargument

Das Absolute Sofortbild-highlight für mich und der Grund für die Instax ist der Film. Wo bei der Polaroid pro knopfdruck knapp 2€ durch die Walzen gedrückt werden, kostet der Instax mini Film nur ca. 75 Cent pro Foto. Dazu kommt die Unempfindlichkeit für nachträgliche Belichtung, eine schnellere Entwicklung, die Farbigkeit und die Schärfe der Fotos.
Sorry liebe Impulse, du kannst ja auch nichts dafür.

 

Teilen macht Freu(n)de

Klick – Und das belichtete Bild kommt oben Raus. Alle Beteiligten blicken auf die weiße Fläche und warten gespannt auf die ersten erscheinenden Umrisse. Es kommt schon fast etwas Glücksspiel-Feeling auf, denn es ist nicht immer sicher ob das Foto auch auf anhieb gelingt, aber selbst ein “missglücktes“ Foto wird oft auch als in sich selbst stimmig wahrgenommen. Es ist unter anderem diese Unvollkommenheit die den Analogen Charme ausmacht. Die Freude auf den Gesichtern wird groß als das Bild entwickelt ist. Das selbe Motiv mit einem Smartphone aufgenommen, wäre vielleicht im digitalen Nirvana gelandet, doch der festgehaltene Moment im kleinen, weißen Rahmen übt eine Faszination wie früher aus. Es ist etwas wertvolles. Noch großer wird die Freude als ich den Portraitieren das Foto schenke. Quasi analoges Teilen. Ich verliere das Foto, aber gewinne etwas von größerem Wert.

Entwicklung stark beschleunigt