Einsteigertipps für die analoge Fotografie

Wir lieben die analoge Fotografie und wollen euch hierbei gerne bei den ersten Schritten unterstützen.

Der Einstieg in die analoge Fotografie ist zugegebener Maßen nicht ganz einfach. Während man in der digitalen Fotografie  seine Ergebnisse sofort anschauen, und falls nötig verbessern kann, tappst man im analogen Bereich ein wenig blind durch die Gegend. Außerdem hat man mit seiner Digitalkamera dank der Speicherkarte endlos viele Versuche, die jederzeit gelöscht werden können. Ein Film kann nur eine stark begrenzte Zahl an Bildern aufnehmen. Sobald der Auslöser gedrückt ist, kann das Bild nicht mehr entfernt werden und kostet.

Was ist nun aber der Vorteil der analogen Fotografie?- Sie dauert länger.

Der Fotograf muss sich beim Fotografieren bewusst Zeit für seine Motiv nehmen. So wird die Umwelt automatisch viel bewusster wahrgenommen und der Auslöser wird nur dann gedrückt, wenn dieser Moment wirklich ein Foto wert ist. Unsere heutige Gesellschaft ist sehr schnelllebig und verschwenderisch und ein wenig Entschleunigung tut sehr gut. Außerdem ist es unheimlich spannend, seine Bilder erst ein paar Wochen später nach dem Entwickeln in der Hand zu halten. Sind wir mal ehrlich, wie viele unserer tausend geschossenen Bilder landen auf unserem PC, ohne dass sie jemals wieder angesehen werden? Bei der analogen Fotografie halten wir im Nachhinein eine begrenzte Auswahl an Bildern in der Hand. Außerdem hat der Retro-Look der analogen Fotos einen gewissen Charme. Er verleiht unseren Erinnerungen eine gewisse Besonderheit. Nicht umsonst gibt es zahlreiche Analogfilter für die Nachbearbeitung auf unseren Smartphones.

Die Sofortbildkamera, sowie Einwegkameras werden wir in diesem Beitrag nicht behandeln. Schaut hierfür einfach bei den verlinkten Beiträgen vorbei.

 

Tipp 1: Die passende Kamera

Grundsätzlich sind Kleinbildkameras für die ersten Schritte der analogen Fotografie besser geeignet als Mittelformat- oder Großformatkameras. Kleinbildkameras gibt es oft schon zu günstigen Preisen und sie sind leicht zu transportieren.

Einfache Suchkameras haben keine Verbindung zwischen Sucher und Objektiv. Das hat zur Folge, dass ihr weder eure Fokussierung, noch die Entfernung des scharfzustellenden Objekts kontrollieren könnt. Profi’s haben hierfür ein Gefühl, Anfänger tappen eher im Dunkeln umher.

Spiegelreflexkameras sind die optimalste Lösung für Einsteiger. Durch das Spiegelsystem werden Sucher und Objektiv miteinander verbunden, und das gemachte Bild kann kontrolliert werden.

Alternativ hierzu gibt es zweiäugige Kameras. Das sind sozusagen Speigelreflexkameras ohne schwingenden Spiegel. Hier blickt ihr durch einen separaten Sucher, welcher über dem Aufnahmeobjektiv liegt.

Analoge Kameramodelle verfügen selten über eine Automatikeinstellung. Je neuer euer Kameramodell ist, über umso mehr Technik wird sie verfügen und euch beim Fotografieren unterstützen. Doch auch dann empfehlen wir euch, in der manuellen Einstellung zu fotografieren. Denn so erreicht ihr Bilder mit einem persönlichen Touch und das Fotografieren macht umso mehr Spaß. Mit einem gewissen Know How erreicht ihr manuell bessere Bilder als der Automatikmodus. Das gilt übrigens auch für die digitale Fotografie.

 

Tipp 2: Der passende Film

Ein 35 mm Film für eine Kleinbildkamera ist nicht schwer zu finden. Es gibt ihn bei Fotofachhändlern wie uns, in Drogeriemärkten und sogar in größeren Supermärkten. Ob ihr lieber schwarz-weiß oder farbig fotografiert, bleibt ganz euch überlassen. Es gibt Negativfilme und Diafilme. Bei einem Negativfilm ist das Filmmaterial spiegelverkehrt zu der Originalaufnahme. Ein Diafilm wird auch Positivfilm genannt. Hier kann das Bild auf dem Film mittels eines Projektors originalgetreu betrachtet werden. Wenn ihr keinen Diaprojektor zur Verfügung habt, rate ich persönlich eher zu Negativ- als zu Diafilmen. Dias wirken als bloße Abzüge oft zu dunkel und die kräftigen Farben kommen ebenfalls nicht so gut zur Geltung wie bei einer Dia-Präsentation.

Je größer die Lichtempfindlichkeit eines Films, desto stärker ist das Korn des Films. Ein gröberes Korn, führt auch zu einer geringeren Auflösung des Bildes. Allerdings gibt eine größere Korngröße euren Bildern auch das gewisse Etwas.

Die Lichtempfindlichkeit wird in ISO angegeben. Mit einem ISO 100 oder 200 Film macht ihr grundsätzlich anfangs nichts falsch. Diese sind  besonders geeignet für Außenaufnahmen bei Tageslicht. Bei bedeckten Himmel oder abends empfiehlt sich ein ISO von 400 – 800. Nachts oder in dunklen Innenräumen solltet ihr zu noch höheren ISO Werten greifen. Denn je höher die Lichtempfindlichkeit, desto weniger Licht ist nötig. In diesem Beitrag haben wir euch die verschiedenen Filmtypen vorgestellt.

 

Tipp 3: Befasst euch mit den Grundlagen der Fotografie

Je nach Modell könnt oder müsst ihr mit eurer analogen Kamera manuell fotografieren. In diesem Beitrag haben wir euch die wichtigsten Einstellungen erklärt. Macht euch besonders mit dem Zusammenspiel von Blende, Verschlusszeit und ISO Wert vertaut. Der ISO Wert ist abhängig von dem Film, welchen ihr wählt.

 

 

Tipp 4: Nutzt eine Digitalkamera zum Vergleich

Bei euren ersten Schritten in der analogen Fotografie kann es helfen, zusätzlich eine Digitalkamera dabei zu haben. Auf dieser könnt ihr zunächst mit Bildausschnitten und Einstellungen experimentieren, bevor ihr Platz auf eurem Film verschwendet. Wichtig ist hierbei, dass ihr anfangs den ISO Wert eures Filmes wählt, denn ansonsten weichen logischerweise auch die anderen Einstellungen ab. Mit der Zeit werdet ihr ein Auge für die richtige Perspektive und ein Gefühl für die richtigen Einstellungen entwickeln und die digitale Kamera zuhause lassen.

 

Tipp 5: Sunny 16

Bitte was?
Hierbei handelt es sich um eine Regel, um an sonnigen Tagen ohne Belichtungsmesser eine passende Belichtung zu finden. Sie ist eine gute Alternative zu der separaten Digitalkamera. Bei der Wahl des Bildausschnittes kann sie euch allerdings nicht helfen. Stellt die Blende eurer Kamera zunächst auf f/16. Die Belichtungszeit sollte den Umkehrwert des ISO – Wertes betragen. Wenn ihr euch für einen ISO 100 Film entschieden habt wäre das 1/100 Sekunde, bei ISO 200 1/200 Sekunde und so weiter. An etwas bewölkteren Tagen solltet ihr eine etwas größere Blende verwenden (=kleinere Blendenzahl!), damit mehr Licht auf den Film fällt und das Bild hell genug wird. Auch hier werdet ihr mit der Zeit den richtigen Dreh raus haben.

 

Tipp 6: Externe Belichtungsmesser oder passende Apps

Falls eure Kamera über keinen Belichtungsmesser verfügt, könnt ihr alternativ zu den zwei letzen Tipps natürlich auch ein externen Belichtungsmesser oder eine passende Smartphone App für die richtige Belichtung nutzen.

 

Tipp 7: Notiert euch eure gewählten Einstellungen

Notiert euch anfangs nach jedem Mal Auslösen die gewählten Einstellungen und vergleicht sie nach dem Entwickeln mit euren Ergebnissen. Wie wirkt sich eine größere Blende auf den Hintergrund eures Bildes aus? Welche Verschlusszeit nutze ich am Besten zur späteren Stunde? Mit welchen Belichtungseinstellungen muss ich den  ISO 100 in Innenräumen kombinieren? So werdet ihr die Einstellungsmöglichkeiten euer Kamera am Besten und Schnellsten lernen. Und Aufgeschriebenes kann auch nicht vergessen werden :).

 

Tipp 8: Nehmt eure Umwelt bewusst wahr

Diesen Tipp solltet ihr auch in der digitalen Fotografie beherzigen, denn wahllos auf den Auslöser zu klicken hat mit richtigem Fotografieren reichlich wenig zu tun. Doch in der analogen Fotografie wird das Ganze noch viel wichtiger, da ihr nur eine begrenzte Zahl an Schüssen habt und es keine Löschtaste gibt. Doch das ist eine tolle Chance, um sich mit seiner Umgebung in ihrer Gänze auseinander zu setzten. In der analogen Fotografie werdet ihr von selbst behutsamer mit euren Schüssen umgehen und die Umgebung lieber ein bisschen länger unter die Lupe nehmen. Ihr werdet mit der Zeit ein Fotografisches Auge entwickeln und besondere Motive werden schnell aus der Masse stechen. Doch besonders für den Anfang gilt: Lasst euch Zeit beim Auslösen.

 

Tipp 9: Seid nicht zu streng mit euch

Die Aufnahmen eures ersten Films werden womöglich nicht der Hammer werden. Besonders mit sehr alten Kameramodellen ohne Belichtungsmesser und ohne Programmautomatik kann der ein oder andere Schuss in die Hose gehen. Doch das ist vollkommen normal und auch nicht weiter schlimm. Aus Fehlern lernt man bekanntlich und ihr werdet von Film zu Film besser werden. Übung macht den Meister.

Wir hoffen, diese Tipps konnten euch den Einstieg in die analoge Fotografie erleichtern. Wir haben auf Flickr verschiedene Gruppen für analoge Fotos, und würden uns sehr freuen, eure Ergebnisse dort zu bewundern. Gerne auch die nicht so Gelungenen :).

Hier findet ihr übrigens noch viele weitere Beiträge über die analoge Fotografie.

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Author

Janina

Date & Time

August 28, 2017

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