Die Welt der analogen Fotografie | Der Schwarz-Weiß Film

Der Schwarz-Weiß Film war der Erste unter den Fotofilmen – es gibt ihn seit rund 80 Jahren.

Die verschiedenen Schwarz-Weiß Filme unterscheiden sich stark voneinander, denn jeder Hersteller hatte sein eigenes “Rezept“ und somit sind die Ergebnisse bei jedem Film unterschiedlich. So kann zum Beispiel die Kontrastdarstellung beim einem Film weich und beim anderen hart sein. Auch die Schärfe variiert bei den verschieden Filmen: Der eine Film bildet jedes Detail ab, der andere kann genutzt werden, um eine gewisse Grobheit für sein Motiv zu nutzen. Unterschiedliche Filmen setzten zudem auch unterschiedliche Grautöne um, wodurch ein Bild heller oder eben dunkler erscheint. Und auch die Feinkörnigkeit variiert stark bei den verschiedenen Filmen. Mit “Korn“ sind bei der analogen Fotografie die kleinsten Strukturen beim fertig entwickelten Film gemeint, dessen Ausprägung von Film zu Film verschieden ist.

Aufgrund der vielen Unterschiede, haben die meisten Fotografen Ihre Favoriten unter den Fotofilmen und hinterlassen so eine ganz eigene Handschrift auf ihren Fotos.

Ich habe bei meinen ersten Versuchen in der analogen Fotografie mit einem Schwarz-Weiß Film begonnen und würde euch im Folgenden  gerne meine Erfahrungen schildern.

Fangen wir ganz vorne an: Beim Einlegen des Films. Schon hier war ich – um ehrlich zu sein – ein wenig überfordert und habe die Rückwand der Kamera zuerst gar nicht aufbekommen. Bei der FM2 muss der Hebel an der Rückspulkurbel nach hinten gezogen und  die Kurbel gleichzeitig angezogen werden, um die Klappe zu öffnen. Auf der rechten Seite befindet sich eine Auffangspule, in welche man die Filmlasche einführt und so weit wie möglich hineinschiebt. Daraufhin muss die Filmdose nach links gezogen und in die Aufnahme gelegt werden. Um festzustellen, ob die Lasche fest in der Spule sitzt, wird der Film mit dem Aufzughebel schon leicht vorgestellt. Nun ist der Film fertig eingesetzt, und die Rückwand kann wieder geschlossen werden. Abschließend muss die Rückspulkurbel im Uhrzeigersinn zurück gedreht werden, um die Lose des Filmes zu beseitigen. Verglichen mit dem Einsetzen einer Speicherkarte sind das wirklich komplexe Handlungsschritte, mit welchen ich  mich erstmal vertraut machen musste.

Ich habe übrigens mit dem HP5 Plus 400 Schwarz-Weiß Film von Ilford fotografiert. ISO 400 Filme eignen sich bei jeder Lichtsituation. So können Motive auch bei schlechten Lichtverhältnissen noch gut abgelichtet werden. Ilford beschriebt seinen Film als besonders geeignet für Aktions- und Pressefotografie aber auch für die allgemeine Fotografie. Er soll eine hervorragende Schärfe sowie eine feine Körnung liefern.

Was ich sehr an der FM2 genossen habe, ist ihre kompakte Größe, denn im Gegensatz zu meiner digitalen Spiegelreflexkamera konnte ich sie bequem überall hin mitnehmen, und so wirklich jedes Motiv mitnehmen. Meine eigene Spiegelreflex habe ich im Alltag wegen ihrer Größe und ihres Gewichtes nie dabei.

Zugegebenermaßen ist es mir sehr oft passiert, dass ich ein neues Motiv im Visier hatte und den Auslöser drücken wollte, bevor ich den Film weiter gespult hatte. Es war ein wenig mühselig, die vorherige Komposition nach dem Vorspulen ein weiteres Mal zu erreichen, besonders wenn sich um ein bewegtes Motiv handelte.  Auf der anderen Seite ist es mir auch das ein oder andere Mal passiert, dass ich  versehentlich ausgelöst habe, bevor das Motiv scharf gestellt war oder ich zu 100% mit der Komposition zufrieden war. Doch ist der Auslöser gedrückt, ist es nun mal zu spät.

Ich musste mich auch erstmal daran gewöhnen, dass ich die Bilder nicht anschauen konnte. Nach jedem Auslöser begleitete mich irgendwie ein unsicheres Gefühl: Ist das Foto verwackelt? Oder unterbelichtet? Oder schief? Aus Gewohnheit hätte ich doch gerne jedes Motiv öfter fotografiert, und mir anschließend das beste Foto ausgesucht.  Im Ergebnis waren auch manche Bilder unterbelichtet oder das fokusierte Motiv unschärfer als erwartet.

Doch gerade diese Punkte haben das Fotografieren zu einem ganz besonderen Erlebnis gemacht. Dank der begrenzten Fotoanzahl musste ich wirklich ganz genau über mein Motiv nachdenken und konnte nicht jeden Mist fotografieren, nur um ihn danach wieder zu löschen. Mit meinem Film konnte ich insgesamt 36 Bilder machen. Wenn ich mich früher mit meinen Freundinnen zu unseren “Fotoshootings“ getroffen habe, bin ich meist mit mehreren Hundert Bildern auf meiner Speicherkarte nach Hause gegangen, welche ich erstmal zweitaufwendig aussortieren musste. Abgesehen von etwa fünf ausgewählten Bildern die auf meiner Zimmerwand landeten, geraten die anderen Bilder auf meiner Festplatte in Vergessenheit. Nun habe ich 36 Bilder geschossen, bei dem jedes Einzigartig und  genau überlegt war. Auch wenn nicht jedes Bild zu 100 Prozent gelungen war, wird doch jedem ein ganz besonderer Wert zugeschrieben.

Um den Film heraus zu nehmen, muss er zunächst mit der Rückspulkurbel in die Filmdose zurück gespult und kann anschließend heraus genommen werden. Zum Entwickeln des Films habe ich mich auf den Weg zum Drogeriemarkt gemacht.

Jedoch blieb nun erstmal die Frage offen, ob die Bilder wirklich so besonders geworden sind wie erhofft, oder ob ich schlichtweg eine Menge schlechter Fotos geschossen und den Film somit verschwendet habe.Ich musste insgesamt zwei Wochen auf meine fertigen Bilder warten. Und auch wenn ich mit der Zeit ein wenig ungeduldig wurde, hat diese Wartezeit den Prozess der Fotografie intensiviert und spannender gemacht. Ich war noch nie so gespannt auf meine Ergebnisse wie bei diesem Mal.

Alles in Einem bin ich sehr zufrieden mit meinen Ergebnissen. Denn auch wenn manche Bilder eher mehr oder weniger gelungen sind, steckt gerade dahinter der Lernprozess – So viele unterbelichtete Fotos werde ich beim nächsten Mal bestimmt nicht mehr schießen. Und auch auf eine präzisere Fokussierung werde ich besser achten.

Ihr könnt euch in diesen Beitrag selbst eine Meinung meine gelungensten Ergebnisse aber auch über das ein oder andere ungewollte, doch trotzdem einzigartige Bild machen.

Und jetzt seid ihr an der Reihe : Wir wollten euch dazu anregen, wieder eine analoge Kamera in die Hand zu nehmen, beziehungsweise es, so wie ich zum aller ersten Mal zu probieren. Deshalb haben wir auf Flickr eine Gruppe eingerichtet, in der wir gerne mit euch zusammen eure Schwarz-Weiß Fotografien sowie eure Erfahrungen austauschen wollen.

Ladet gerne alles hoch – eure besten und eure schlechtesten Werke. Wie ist es euch bei Fotografieren ergangen? Wie zufrieden seid ihr mit euren Werken? Was war euer häufigster Fehler? Und was ist euch besonders gut gelungen?

Wir freuen uns sehr auf eure Ergebnisse!

 

Quellen: www.spuer-sinn.netwww.ilfordphoto.comwww.holger.ch

Author

Janina

Date & Time

Dezember 5, 2016