Das Spiel mit dem Licht | Sonnenuntergang und Co

Ich leide unter Kälteschock. Ich bin Ende letzter Woche aus Italien heimgekehrt und muss mich nun an eine Temperaturdifferenz von etwa 20°C gewöhnen. Ich vermisse die Sonne, und zwar nicht nur wegen den Temperaturen.

Ich war ziemlich weit im Süden Italiens. In einem Ort namens Santa Maria di Castellabate, etwa zwei Stunden Autofahrt von Neapel aus. Santa Maria liegt direkt am Meer. Jeden Abend wenn ich zum Abendessen ging, hatte ich einen phänomenalen Blick auf wunderschöne Sonnenuntergänge. An sowas kann ich mich einfach nicht sattsehen.

Freunde und Familie mussten sich entsprechend überdurchschnittlich viele Fotos mit spektakulären Lichtspielen anschauen. Hier wollen wir euch Anregungen und Tipps für Bilder mit Sonnenuntergängen und Co geben.

Vorneweg: In diesem Beitrag soll es primär darum gehen, auch mit möglichst wenig Ausrüstung tolle Aufnahmen zu erlangen.

Wenn ihr die nötige Ausrüstung habt, ist das natürlich umso besser. Viel Ausrüstung bedeutet mehr Wahlmöglichkeiten, bedeutet mehr Spielraum, bedeutet viele tolle und unterschiedliche Bilder. Falls die Sonne das Hauptmotiv sein soll, nutzt am besten ein Teleobjektiv. Wollt ihr euch eher auf die Landschaft im Lichtspiel konzentrieren, ist ein Weitwinkelobjektiv die bessere Option. Verlaufsfilter dunkeln den oberen Bereich eures Bildes ab. So könnt ihr länger belichten, ohne einen weißen Himmel zur Folge zu haben. Ein stabiles Stativ ist euch bei Aufnahmen mit Horizont und langer Belichtungszeit eine große Hilfe.

Doch auch mit einer simplen Ausrüstung lassen sich tolle Lichtaufnahmen erreichen. Auch Laien können mit dem nötigen Know How gute Fotos schießen. Ich habe bewusst ein Standartobjektiv (18mm – 50mm) auf meine Spiegelreflex geschraubt und keine weitere Ausrüstung mitgenommen. Beziehungsweise hat mein vollgestopfter Koffer das gar nicht mehr zugelassen.

Übrigens stammen meine Aufnahmen eher vom späten Nachmittag und Abend. Der Sonnenaufgang war mir schlichtweg zu früh, die Stunde davor sowieso.

 

Tipp 1: Nicht im Automatikmodus

Da es sich um Gegenlichtaufnahmen handelt, wird die Kamera-Automatik die Belichtungssituation falsch einschätzen. Der Automatische Weißabgleich wird den rötlichen Stich des Motivs herausfiltern und der Himmel wird hellgelb bis weiß erscheinen. Die romantische Stimmung geht also vollkommen verloren. Wollt ihr die Umgebung mit auf eurem Bild haben, wird diese viel zu dunkel sein, da die Kamera die helle Sonne richtig belichten will und den Rest folglich abdunkelt. Um Unterbelichtungen zu vermeiden, wird sie den ISO-Wert stark erhöhen. Ein hoher ISO-Wert führt jedoch zu verpixelten und verrauschten Aufnahmen.

Es gibt nicht DIE richtige Einstellung für ein Lichtspiel. Die Sonne leuchtet jeden Tag anders intensiv, mal sind mehr, mal weniger Wolken am Himmel und die Umgebung variiert ebenso. Das ist je gerade das tolle an Sonnenuntergängen – sie sind einzigartig. Außerdem ist die richtige Belichtungssituation auch eine Frage des Geschmacks. Experimentiert mit verschiedenen Belichtungszeiten, bis ihr ein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht.

Ihr könnt den Automatikmodus als Orientierung nutzen und die Einstellung in kleinen Schritten verändern, bis ihr zufrieden mit eurer Belichtung seid. Für Einsteiger eignet sich außerdem das Motivprogramm “Sonnenuntergang“. Jedoch rate ich euch, nach ein paar Aufnahmen an den manuellen Aufnahmemodus heranzutasten, denn mit genügend Übung gelingen euch so die besten Aufnahmen.

Viele Kameras bieten die Möglichkeit, verschiedene Aufnahmeoptionen zu wählen. Um warme Farbtöne zu erhalten, eignet sich hierbei am Besten “Cloudy“ (wolkig) oder “Shade“ (Schatten).

Stellt die ISO Automatik aus, der ISO Wert sollte möglichst klein sein (ISO 50 oder ISO 100). So erreicht ihr detaillierte Aufnahmen und eine bessere Schärfe. Falls ihr kein Stativ habt, wählt eher einen höheren ISO Wert.

 

Tipp 2: Nutzt die Zeitautomatik

Am besten nutzt ihr eure Kamera in der Zeitautomatik (A oder Av). In dieser Einstellung wählt ihr eure Blendengröße manuell aus und die Kamera wählt die passende Belichtungszeit automatisch. Nutzt eine kleine Blende (f8 – f11), um eine große Schärfentiefe zu erreichen. Bei sehr kleinen Blendendöffnungen (f16 -f22)  erreicht ihr bei Aufnahmen auf die Sonne sternförmige Lichtstrahlen. Das ist der sogenannte Blendendsten.

Wollt ihr das Lichtspiel nur als Hintergrund nutzten und ein bestimmtes Objekt in den Vordergrund stellen, solltet ihr jedoch eher eine größere Blende wählen. Dann verschwimmt der rötliche Hintergrund und euer visiertes Motiv wird fokussiert.

Falls ihr so keine zufriedenstellende Belichtung findet, merkt euch die gewählten Verschlusszeiten der Kamera und verlängert und verkürzt sie im manuellen Modus je nach Vorliebe um kleine Schritte.

Falls ihr aus der Hand fotografiert wählt eine möglichst große Blende, um die Verschlusszeit zu verkürzen. Eine zu lange Verschlusszeit führt ohne Stativ oder Untergrund zu verwackelten Bildern.

 

Tipp 3: einen festen Untergrund nutzen

Ich bin geflogen und hatte leider nicht die Möglichkeit mein sperriges Stativ zu transportieren. Mir ist erneut bewusst geworden, dass es dringend Zeit für ein kleines Tischstativ wird.

Falls vorhanden, eignet sich aber auch eine Mauer, ein fester Zaunpfahl, ein Liegestuhltisch etc. als Standfläche für eure Kamera. Schaut euch um, irgendwas findet sich in der Regel immer. Freihand gestaltet es sich sehr schwer, die Aufnahme “ins Wasser zu bringen“ und ein schiefer Horizont stört das Ambiente eures Bildes. Natürlich können Programme wie Photoshop hierbei im Nachhinein aushelfen. Deswegen nicht vergessen im RAW Format zu fotografieren.

Wenn ich stativlos bin und keinen geeigneten Untergrund finde, nutzte ich die Schiefe allerdings manchmal auch bewusst als Stilmittel. Das wirkt meiner Meinung allerdings nur gut, wenn sich um das Sonnenspiel noch “Leben“ stattfindet. Seien es Pflanzen, Häuser oder Berge. Bei sehr langen Belichtungszeiten (ab 1/60 Sekunde) solltet ihrjedoch auf jeden Fall einen festen Untergrund suchen, sonst wird das Bild verwackeln.

Auf dem Stativ oder einer Mauer solltet ihr übrigens besser den Bildstabilisator der Kamera ausschalten. In der freien Hand solltet ihr ihn allerdings anlassen, um auch bei längeren Verschlusszeiten noch scharfe Bilder zu erreichen.

 

Tipp 4: Seid schon früher da

So ein Sonnenuntergang oder -aufgang geht ziemlich schnell über die Bühne. Nimmt euch also schon davor genug Zeit, um das Motiv zu planen. Nicht dass die Sonne schneller als der Auslöser ist. Außerdem lassen sich bereits am späten nachmittag, kurz vor Sonnenuntergang (goldene Stunde) und kurz nach Sonnenuntergang (blaue Stunde) tolle Lichtaufnahmen erreichen (Bei Sonnenaufgang ist es genau umgekehrt).

 

Tipp 5: Nutze die Umgebung

Nur das Meer und die Sonne, die darin versinkt wirkt auf Fotos meist eher unspektakulär. Es fehlt einfach die Gesamtwahrnehmung des Augenblicks. Ein Sonnenuntergang ist nicht nur wegen seines visuellen Aspektes spektakulär, alle Sinne sind an diesem Augenblick beteiligt. Außerdem habt ihr im echten Leben einen Rundumblick, im Foto haltet ihr nur einen Ausschnitt eurer Wahrnehmung fest.

Nutzt eure Umgebung, um ein bisschen Spannung im Bild zu erzeugen. Das können Steine sein, die im Licht glitzern, Zweige die ins Bild hineinragen, Schiffe am Hafen oder eine Häuserfassade am Rande eures Bildes. Elemente, die gegen das Licht fotografiert werden, erscheinen als Silhouetten, welche für tolle Kontraste sorgen.

Hier gilt wieder: Seid rechtzeitig da, um euch im Vorhinein einen Eindruck von der Umgebung zu verschaffen.

 

Tipp 6: Die dritte Regel

Eine einfache Regel, um die Wirkung eures Bildes aufzuwerten. Das Hauptaugenmerk des Fotos sollte nie genau in der Mitte des Bildes liegen sondern  im oberen oder unteren Drittel.

Der Himmel sollte möglichst den größten Teil des Bildes für sich beanspruchen und der Horizont sollte eher unterhalb liegen. Die Sonne kann auch gerne mal am Rand eures Bildes Platz nehmen.

Allgemein gilt aber: Experimentiert auch mal fern ab von Regeln. Wie bereits oben erwähnt, kann auch ein schiefer Horizont in manchen Bildern seinen Charme haben. Das Meer darf auch mal mehr Platz im Bild einnehmen und so weiter.

 

Tipp 7: Nicht nur die Sonne fotografieren

Gerade in der Stunde nach Sonnenaufgang und der Stunde vor Sonnenuntergang tunkt die Sonne ihre Umgebung in ein atemberaubendes goldenes Licht. Besonders süße Häuschen und Co lassen sich zu dieser Zeit toll ablichten. Die Spiegelung der Sonne im Wasser oder einzelne Sonnenstrahlen sind auch ein tolles Motiv.

 

Tipp 8: Wolkenspiel

Große graue Wolken sind im Süden eher eine Seltenheit. Doch wenn es mal so richtig regnet, nutzt auf jeden Fall den Moment, an dem die Sonne wieder herauskommt und euch ein spektakuläres Lichtspiel in den Wolken schenkt.

 

Tipp 9: Fernab vom Süden

Der Sommer neigt sich langsam dem Ende zu und der ein oder andere unter euch wird es dieses Jahr wohl nicht mehr in den Süden schaffen. Doch auch ohne Meer lassen sich mithilfe einiger der Tipps tolle Lichtspiele erreichen. Der Himmel nimmt zur Herbstzeit oft spektakuläre Farben an. Ein Bergpanorama ist immer eine tolle Kulisse. Oder was ist mit dem See um die Ecke? Lichtspiele gibt es überall.

 

Tipp 10: Geniest auch den Moment

Vor lauter Knipsen vergisst man oft völlig, den Augenblick zu genießen. Legt die Kamera auch mal beiseite, nehmt den Moment in vollen Zügen wahr und vergesst alles um euch herum.

 

Wir hoffen, wir konnten euch mit diesen Tipps behilflich sein und würden uns freuen, eure Ergebnisse zu sehen. Auf Flickr haben wir eine passende Gruppe hierfür erstellt.

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Author

Janina

Date & Time

September 12, 2017

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