Zu klein um Stark zu sein?

“Was soll man von so´nem kleinen Ding schon erwarten?” sind meine ersten Gedanken als ich die Transporttasche mit dem dreibeinigen Inhalt zum ersten Mal sehe. Tatsächlich hört sich das Datenblatt dennoch recht vielversprechend an:
Transportmaß: 40cm, Eigengewicht: 1560g, Sicherheitszuladung: 8kg…
Bei der Sicherheitszuladung werde ich dann doch stutzig. 8kg? Mein eigenes Stativ (Ein Vanguard Alta Pro welches ich schon viele Jahre besitze) bietet nur 7kg Zuladung und ist dabei mit seinen 63cm Packmaß und einem Gewicht von 2kg (ohne Kopf) wesentlich umständlicher im Transport. Das Interesse einmal geweckt, nehme ich das Befree aus seiner Verpackung um es mir genauer anzusehen.

 

Der erste Eindruck

Nach dem Öffnen der mitgelieferten Transporttasche halte ich das Befree in meinen Händen. Relativ leicht und metallisch kühl fühlt es sich an, dabei sieht es auch sehr hochwertig aus. Die Beine sind, typisch für aktuelle Reisestative, komplett umgeklappt um das ganze Stativ transportabler zu machen. Das erste Aufklappen geht etwas zu straff für meinen Geschmack, aber ich denke das ist Gewöhnungssache. Dafür steht es, einmal aufgebaut, so da als würde es stur für immer so stehen bleiben wollen.
Ich schraube die Adapterplatte an meine Kamera und ziehe los um erste Erfahrungen zu sammeln.

Einrasten der Schnellwechselplatte und Easylink System für Zubehör

 

Draust im Walde

Wie testet man ein Stativ am besten? Indem man es unter realen Bedingungen einsetzt. Also ab in die Natur, auch wenn es vom abklingenden Winter immer noch kalt ist. Mein Ziel ist eine Langzeitbelichtung am Wasser und so suche ich mir einen Bachlauf an der Ilz aus. Nach kurzer suche, finde ich eine schöne Stelle und baue meine Ausrüstung auf.

Stativ, Kamera, Graufilter – Fertig!

Manchmal braucht es nicht viel. Also 30 Sekunden bei Blende 8 und iso 100 Belichten uuuuuund: Verwackelt…
Das kanns ja nicht sein! Sah doch eigentlich sehr stabil aus, das ganze. Also noch mal alle Einstellungen überprüfen und siehe da, der Bildstabilisator am Objektiv war noch an…
Es kann durchaus passieren, das ein Bildstabilisator das Bild Verwackelt, wenn sich die Kamera auf einem Stativ befindet. Der Autofokusschalter schnappt mit einem verhöhnenden klick Richtung “off” als er umgelegt wird und ich wiederhole die Belichtung. Siehe da, geht doch!

Der Belastungstest

Übertreibe ich? Vielleicht etwas. Wenn man die Chance erhält diese Kombination in Händen zu halten, sollte man sie nutzen. 600mm f4 Festbrennweite + Profi DSLR. Gewicht insgesamt: 5,26 kg
Schwerer sollte die Zuladung unter normalen Bedingungen nur höchst selten werden. Das Ergebnis:
Hält. Hält in eingefahrenem Zustand sogar Bombenfest, hält in ausgefahrenem Zustand auch. Hier schwingt es nun doch etwas nach, steht aber trotzdem noch Stabil da. Sehr Beeindruckend.

 

 

Stativ mit Köpfchen

Der im Lieferumfang enthaltene Kugelkopf macht auch eine gute Figur. Hier gefällt mir besonders die, in die Arretierung  eingelassene, Frixionseinstellung. Schwerere Kamera-Objektivkombinationen hält der Kopf so auch nicht zu locker fest.
Auch mit dabei ist eine Panoramafunktion und eine Schnellwechselplatte, die sowohl auf dem Manfrotto RC2, wie auch auf dem Arca Swiss-System platz findet.

 

Fazit

Das Manfrotto Befree Advanced hat meinem Stativ-Vorurteil gehörig eine verpasst. Die Kombination aus Gewicht, Kompaktheit und Stabilität habe ich so bei noch keinem anderen Stativ erlebt. Ich gehe sogar soweit zu sagen das es ein größeres Stativ für den einen oder anderen komplett ersetzen kann. Mir fällt es richtig schwer etwas Negatives an dem Stativ zu finden. Einzig die volle Auszugshöhe von 151cm (128cm ohne ausgefahrene Mittelsäule) könnte manchen Leuten ein Stück zu wenig sein. Die erwähnten schwergängigen Beine sind allerdings eher Jammern auf hohem Niveau. Preislich ist das Befree wohl auch zurecht am oberen Ende seiner Klasse angesiedelt. Ich kann es jedem empfehlen der ein Stativ in dieser Klasse sucht.

Weitere Infos in bewegten Bildern gibts auf unserem YouTube-Kanal.